Presseschau des Tages // 18.1.2021

· Pressestimmen

Die Theologin Margot Käßmann hat die aktuellen Corona-Regeln zur Einschränkung von Kontakten scharf kritisiert. Dass sich nur Menschen aus zwei Haushalten treffen sollten, sei noch nachvollziehbar, schreibt die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der "Bild am Sonntag". "Aber die neue Ein-Personen-Regel ist lebensfremder Unsinn. Nach einer Woche ist klar: Das funktioniert nicht."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hätten offenbar keinerlei Vorstellung vom Alltag, meint Käßmann. "Kitas und Schulen dicht, niemanden mehr treffen, aber weiterarbeiten - das funktioniert im wirklichen Leben nicht." Die Familien seien inzwischen am Limit. Bei Entscheidungen über Corona-Maßnahmen müssten ab sofort genauso viele Familienexperten mit am Tisch sitzen wie Virologen, fordert die Theologin. "Sonst werden Maßnahmen verabschiedet, die Familien endgültig fix und fertig machen." Familien stünden laut dem Grundgesetz unter besonderem Schutz des Staates.

 

Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) hat sich dafür ausgesprochen, dass Schüler wegen der Corona-Pandemie in diesem Schuljahr keine Klassenstufe wiederholen müssen. "Ich denke, ein Nicht-Sitzenbleiben ist eine gute Möglichkeit", sagte Bär der "Bild"-Zeitung (Online Sonntag). Das bedeute aber nicht, auf Leistungsbewertung zu verzichten: "Komplett alle Noten abzuschaffen fände ich ehrlich gesagt nicht so ganz praktisch, weil auch die Schülerinnen und Schüler ungefähr wissen wollen, wie sie auch stehen momentan." Sie merke, dass von Lehrern aktuell stark darauf geachtet werde, wie Noten gemacht werden und welche Leistungen zählen.

Auch Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sprach sich ausdrücklich für den Erhalt von Schulnoten aus, auch wenn die Corona-Lage eine besondere Herausforderung darstelle. "Es geht um Prüfungen, es geht um Prüfungsvorbereitungen, die auch 2022 stattfinden." Eisenmann weiter: "Viele Schülerinnen und Schüler wollen nicht ein Schuljahr haben, wo ihnen noch ewig nachgesagt wird, ihr hattet es besonders einfach."

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sprach sich im "Bild"-Talk vor dem Bund-Länder-Gipfel am Dienstag für eine Verschärfung und Verlängerung des Lockdowns ausgesprochen. "Ich gehe davon aus, dass das schon 14 Tage sein können, die noch einmal dazu kommen", so Scholz.

Zudem plädierte der SPD-Spitzenkandidat dazu, die Betriebe in Sachen Homeoffice mehr in die Pflicht nehmen, es könne dort "nicht bei Appellen" bleiben. "Wir müssen da noch einen Schritt weiter machen. Denn im Frühjahr haben viel mehr Arbeitgeber ihren Beschäftigten die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten, eingeräumt. Das geht nicht und das muss jetzt glaube ich auch intensiver gemacht werden." Von einer Homeoffice-Pflicht wollte Scholz nicht sprechen: "Es wird immer darauf ankommt, dass das betrieblich auch geht. Wir wollen ja pragmatisch bleiben und nichts Unmögliches verlangen." Betriebe sollen nicht geschlossen werden, keiner wolle "die Wirtschaft lahm legen".

Auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte Büros zu schließen, wo immer es geht. Gleichzeitig müsse dafür gesorgt werden, dass es einen Ausgleich gebe. "Ich finde es erstaunlich, dass nur über Maßnahmen gesprochen wird, die sich im privaten Bereich befinden", sagte Göring-Eckardt im Deutschlandfunk (Montag) zu weiteren Verschärfungen der Corona-Maßnahmen. Man müsse die Arbeitswelt in den Blick nehmen. (KNA)