Presseschau des Tages // 25.11.2020

· Pressestimmen

Das Corona-Infektionsrisiko in Kitas und Schulen ist einer aktuellen Analyse von Kinderärzten zufolge möglicherweise deutlich geringer als angenommen. Die Ergebnisse der Auswertung mit Daten von mehr als 110.000 Kindern, die routinemäßig in Kinder- und Jugendkliniken auf das Coronavirus getestet worden waren, sollte am Montag vorgestellt werden und lag der "Passauer Neuen Presse" (Montag) vorab vor. Demnach waren zum Stichtag 18. November im Mittel nur 0,53 Prozent der Minderjährigen infiziert.

Kinderärzte von Kliniken aus Passau, München und Regensburg hatten mit Unterstützung des Verbands der leitenden Kinderärzte und Kinderchirurgen Deutschlands die Daten der jungen Patienten zusammengeführt. Ziel war es, Informationen über die sogenannte Dunkelziffer zu erhalten. Hinweise auf eine unentdeckte hohe Dunkelziffer unter Kindern gebe es aber nicht, sagte der Chefarzt der Passauer Kinderklinik, Matthias Keller. "Wir schließen daraus auch, dass die Ansteckungsgefahr an Schulen eher überschätzt wird."

Da Kinder häufig keine Symptome zeigten, sei bisher in der Debatte häufig davon ausgegangen worden, dass die Infektionsrate unter Kindern und Jugendlichen deutlich höher sei, als es die offizielle Statistik widerspiegele. "Genau diese Annahme muss man aber jetzt infrage stellen", sagte Keller. Nach Ansicht der Mediziner kommt die Analyse einer "Zufallsstichprobe am nächsten", da der überwiegende Teil der jungen Patienten wegen anderer Erkrankungen oder Verletzungen eine Klinik aufsuchte.

 

Die geplanten Milliarden-Investitionen in den Ausbau der Ganztagsbetreuung an Grundschulen sollten aus Sicht des Familienbunds der Katholiken an verbindliche Qualitätskriterien geknüpft werden. "Qualifiziertes Personal ist hierbei ebenso wichtig wie ein altersgerechter Betreuungsschlüssel, wenn die Investitionen einen spürbaren bildungspolitischen und pädagogischen Mehrwert haben sollen", sagte Familienbund-Präsident Ulrich Hoffmann am Montag in Berlin.

"Eine mit politischer Anspruchslosigkeit ins Werk gesetzte Betreuung hilft weder den Grundschulkindern noch deren Eltern. Und der Gesellschaft ebenso wenig", meinte Hoffmann weiter. Angesichts des eklatanten Mangels an Erziehern hält der Verbandschef den von der Bundesregierung ab 2025 geplanten Rechtsanspruch für Grundschulkinder für kaum realisierbar.

Der Bundestag hatte in der vergangenen Woche ein Gesetz zur stärkeren Förderung des Bundes für Investitionen in den Ausbau von Plätzen zur Ganztagsbetreuung beschlossen. Das entsprechende Sondervermögen zur Unterstützung der Länder von bislang 2 Milliarden Euro wird demnach um bis zu 1,5 Milliarden Euro aufgestockt.

Aus Sicht von Hoffmann darf der Rechtsanspruch indes nicht die einzige politische Antwort auf die drängende Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein. "Der Ausbau staatlicher Betreuungsinstitutionen als Lösungslieferant ist eindimensional und unterkomplex, weil es den Bedürfnissen von Familien nach mehr Zeit für- und miteinander keinerlei Rechnung trägt." Nötig seien flexible und lebensphasenbezogene Arbeitszeitreduzierungen für erwerbstätige Eltern. (Familienbun der Katholiken/KNA)