Presseschau des Tages // 8.9.2020

· Pressestimmen

Ab dem heutigen Montag beginnen die Familienkassen in Deutschland mit der schrittweisen Auszahlung des Corona-Kinderbonus. Familien erhalten im September 200 Euro je Kind, im Oktober noch einmal 100 Euro. Damit sollen für die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für Familien abgefedert und zugleich die Wirtschaft angekurbelt werden. Insgesamt sind die rund 18 Millionen Kinder anspruchsberechtigt. für die auch Kindergeld gezahlt wird.

Laut einer Sonntag veröffentlichten Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft wollen knapp zwei Drittel (61 Prozent) der Empfänger das Geld ganz oder teilweise ausgeben, 39 Prozent wollen den Betrag dagegen sparen. Mehr als jeder zweite Befragte nannte den Bonus sinnvoll; 19 Prozent meinten, die Maßnahme sei ungeeignet, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern.

Die Linken-Politikerin und Vorsitzende des Familienausschusses im Bundestag, Sabine Zimmermann, kritisierte den Bonus am Montag als unzureichend. "Ein einmaliger Kinderbonus von 300 Euro kann die Lasten der Pandemie für Familien nicht annähernd ausgleichen", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Corona habe vor allem die Lage kinderreicher Familien mit geringem Einkommen gegenüber 2019 nochmals verschärft.

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes, so Zimmermann weiter, sei der Anteil der armutsgefährdeten Familien mit drei oder mehr Kindern von 2011 (22,4 Prozent) bis 2019 (30,9 Prozent) gestiegen und damit stärker als in allen anderen Haushaltstypen. Noch stärker von Armut gefährdet gewesen seien 2019 nur Haushalte von Alleinerziehenden (42,7 Prozent). Die Linke fordere daher eine Kindergrundsicherung für jedes Kind und einen höheren Mindestlohn von zwölf Euro.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, verteidigte unterdessen den Kinderbonus der Bundesregierung gegen Kritik. Er sei "eine der klügsten Maßnahmen des Konjunkturprogramms", sagte er der "Rheinischen Post" (Montag): "Er hilft schnell und relativ zielgenau den Familien, die jetzt in der Krise Unterstützung benötigen."

Familien seien durch die Restriktionen der Corona-Krise besonders hart getroffen, sagte Fratzscher auch im WDR. Vor allem Mütter hätten eine deutliche Mehrbelastung durch die Kita- und Schulschließungen zu tragen gehabt. Kinderbonus und Mehrwertsteuersenkung seien "sicherlich nicht immer sehr zielgenau, wirken aber sehr schnell", so der Berliner Ökonom. (Familienbund der Katholiken/KNA)