Der Familienbund der Katholiken verneigt sich in Dankbarkeit vor Elisabeth Bußmann

Ulrich Hoffmann,
Präsident des Familienbundes der Katholiken

Als mich am letzten August-Tag die Nachricht vom Sterben von Elisabeth Bußmann erreicht hat, war ich betroffen und erschüttert. Zwar wusste ich von ihrer Erkrankung, doch traf mich die Todesnachricht unvorbereitet.

Meine Gedanken gehen zu den verschiedenen Begegnungen, Gesprächen und Briefen, die mich mit Elisabeth verbinden. Immer durfte ich dabei ihre Zugewandtheit, Herzenswärme und ihre volle Konzentration auf ihr jeweiliges Gegenüber erfahren. Gerade die Gespräche, in denen sie mich um das Mitwirken im Präsidium bat und mich später auch im Präsidentenamt ermutigte, werde ich nicht vergessen. Man konnte sich hervorragend mit ihr austauschen über nahezu alle Themen, insbesondere Fragen der sozialen Gerechtigkeit, der Zukunft unseres Sozialstaates und unserer Kirche.                                                     

Elisabeth hat die katholische Soziallehre durchbuchstabiert auf die Belange der Familie, „ohne die kein Staat zu machen“ sei. Nachdrücklich und besonnen meldete sie sich zu Wort, um eine gerechtere und bessere Familienpolitik einzufordern, damit die Leistungen, die Ehepaare und Familien für den Zusammenhalt und das Gelingen unserer Gesellschaft erbringen, nicht nur in Sonntagsreden, sondern in konkreter Politik gewürdigt werden. Elisabeth trat für ein gerechtes Steuer- und Sozialversicherungssystem ein, das Eltern Raum und Zeit zur Gestaltung des Familienlebens lässt. Als „größter Skandal unserer Gesellschaft“ galt ihr die Kinderarmut.

Klug und umsichtig leitete sie unseren Familienbund von 2000 bis 2014 und machte ihn zu einer wichtigen und relevanten Stimme in der bundesdeutschen Familien- und Sozialpolitik. Dabei machte sie in Kirche und Politik deutlich, dass der Familienbund mit keinem bestimmten Familienmodell „verheiratet“ ist, dass vielmehr Eltern selbst entscheiden, wie sie ihr Familienleben organisieren und gestalten. Die Politik hat die Aufgabe, einen Rahmen für die Lebbarkeit der unterschiedlichen Familienmodelle zu schaffen. Unter ihrer Leitung führte der Familienbund unzählige Gespräche auf allen politischen Ebenen. Er brachte sich in Gesetzgebungsvorhaben ein und kommentierte sie kritisch aus der Sicht der Familien. Familien brauchen Geld, Zeit und Infrastruktur, das gab Elisabeth den Politiker*innen immer wieder als „ceterum censeo“ auf den Weg. Dabei war ihr über die Bundespolitik hinaus die europäische Zusammenarbeit wichtig und so leitete sie auch über Jahre als Präsidentin die Föderation katholischer Familienverbände in Europa.

Elisabeth hat unseren Verband geprägt wie kaum eine zweite. Sie hat den Familienbund auch umgebaut, weil es notwendig war, auf neue Anforderungen neue Antworten zu finden. Mit ihr verbinde ich so etwas wie das „Aggiornamento“ des Familienbundes – sie hat Weichen gestellt, auf denen ich und wir als Verband heute gut in die Zukunft gehen können.

Ich habe Elisabeth als „KAB-Frau“ kennengelernt. In der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, die auch mein „Heimatverband“ ist, hat sie große Verantwortung übernommen – auf allen Ebenen des Verbandes wie besonders auch als Leiterin der Heimvolkshochschule Könzgen-Haus in Haltern von 1987 bis 2015.

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, der auch die Verbände betrifft, hat Elisabeth tief erschüttert. Ich habe sie als tief gläubige Katholikin erlebt, für die es furchtbar war, dass Menschen im Raum ihrer Kirche, ja auch ihres Verbandes, zu Opfern sexualisierter und spiritualisierter Gewalt wurden. Und so hat sie sich engagiert und ihr Wort erhoben im Zentralkomitee der Katholiken, als langjährige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands, als Beraterin der Deutschen Bischofskonferenz, wie auch beim bundesweiten "Gesprächsprozess" (2011-2015), den die Deutsche Bischofskonferenz nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche als Vorgänger des Synodalen Wegs initiierte. Nicht zuletzt wirkte sie mit am Runden Tisch der Bundesregierung gegen Kindesmissbrauch.

Am Dienstag, dem 30. August 2022, ist Elisabeth in ihrem Heimatort Isselburg im Kreis Borken verstorben. Sie wurde 72 Jahre alt. Unser Verband und ich ganz persönlich werden sie niemals vergessen. Der Familienbund verneigt sich in Dankbarkeit vor Elisabeth Bußmann und ihrem Lebenswerk. „Und bis wir uns wiedersehen halte Gott uns fest in seiner Hand“, mit diesen Worten pflegte Elisabeth Sitzungen des Familienbundes abzuschließen. Und so wissen wir Elisabeth nun in Gottes guter Hand geborgen.

 Foto: Monika Thies

KOMMENTAR | Zeitvermehrung leider noch nicht erfunden

Ulrich Hoffmann

Das aristotelische Bild der Muße im Kopf, eilen wir durch den Alltag, oder der Alltag mit uns? Für Momente, die uns die zumindest kurzfristige Aufhebung von Zeitkonflikten versprechen, sei es ein „Innehalten“, eine „Auszeit“ oder einen Kurs zur „Entschleunigung“, gibt es inzwischen eine ganze Industrie, Bücher, Apps und eben Kurse. Abseits alltäglicher Routinen sollen sie bei der „Normalalltagsbewältigung“ helfen. Die Erfahrungen zur Muße setzen alternative zeitliche Ordnungen in alternativen Räumen wie einem Kloster oder dem Wald dem Alltag gegenüber. Durch die Inwertsetzung bedürfnisorientiert gestalteter Zeit, die Rhythmisierung und Ritualisierung sowie die Vermittlung zwischen selbst- und fremdbestimmter Zeit wird die Muße erlebbar. Als Kultur- und Selbsttechnik stellt sie ein Instrument der Selbstfürsorge bei alltäglichen Anforderungen dar, und setzt der Beschleunigung die eigenzeitliche Erfahrung entgegen. Das Ziel freie Zeit wird über die Gegenüberstellung zu Arbeit, Stress, Hektik und Sorgetragen definiert, gewinnt so an Wert, der so legitimiert auch kommerzialisiert werden kann. Strittig ist, ob sich durch ein Erkaufen von zeitlichen Freiräumen und Eigenzeiten wirklich an den Zeitbildern in den Köpfen etwas ändert. Unstrittig ist, dass es für diese Freiräume freie Zeiten braucht. Auch unstrittig ist, dass es gerade für Familien einen Wandel in der Zeitpolitik braucht. Zu wenige Modelle zur Zeitverwendung hinsichtlich von Arbeitszeitflexibilität im Lebensverlauf werden politisch laut diskutiert, um gendergerecht Erwerbs- und Sorgearbeit besser leben zu können, um Zeitkonflikte in der Sorgearbeit und in der Erwerbsbiographie zu mindern. Familienleben soll wieder die Muse küssen, denn aus dieser entspringt bekanntlich Kreativität. Und mit dieser können wir zwar nicht die Zeit vermehren, aber vielleicht individuell flexibel, angepasst an den Lebenslauf, auch Momente der Muße leben.

 

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Wen meint der Familienbund der Katholiken, wenn er von Familien spricht? Hat der Familienbund ein Idealbild von Familie, das ihn in seinem politischen Tun inspiriert und motiviert? 
Für welche Familien setzt sich der Familienbund ein?

Der Diskussionsprozess ist in den letzten beiden Jahren mit besonderer Intensität in allen Gliederungen des Familienbundes geführt worden. Das Präsidium hat jetzt den aktuellen Stand dieser Diskussionen in einer Orientierungshilfe zusammengefasst.  Die Orientierungshilfe finden Sie hier als PDF zum Download (151 KB).

 

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