Presseschau des Tages // 17.6.2020

· Pressestimmen
Der Corona-Lockdown in Italien hat laut einer aktuellen Studie negative psychische Auswirkungen auf die meisten Kinder des Landes. Demnach sind 65 Prozent der Kinder unter sechs Jahren und 71 Prozent der Über-Sechsjährigen von Verhaltensproblemen und Entwicklungsrückschritten betroffen. Die am Dienstag von Forschern der Universität Genua vorgestellte Studie basiert auf einer Umfrage unter 6.800 Italienern, rund die Hälfte davon mit minderjährigen Kindern. Paolo Petralia, Direktor der pädiatrischen Gaslini-Klinik in Genua, nannte verschiedene Arten von Störungen, die er auf die monatelange Ausgangssperre zurückführt: Einschlafschwierigkeiten, Trennungsängste, verstärkte Angst im Dunkeln, untröstliches Weinen. Viele solcher Symptome seien in der Lockdown-Phase verstärkt aufgetreten - auch bei weiterentwickelten Kindern. Nun gehe es darum, die gesammelten Daten und Erkenntnisse zu nutzen, um das alte Leben der Betroffenen wiederherzustellen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Kinderärzte und Forscher angesichts der Lockdown-Folgen in Italien besorgt äußern. Bereits Anfang Juni hatten sich 30 Experten für eine rasche Wiedereröffnung der Schulen des Landes ausgesprochen. In einer gemeinsamen Stellungnahme kritisierten sie psychologische und pädagogische Schäden angesichts der "anhaltenden Isolation" vieler Schüler. Die Mediziner wiesen darauf hin, dass Kinder kaum am Coronavirus erkrankten. "Und wenn doch, sind die klinischen Manifestationen mild." Die Auswirkungen der seit Anfang März anhaltenden Schulsperren seien dagegen gravierend. Forscher der Universität Verona kamen derweil zu dem Ergebnis, dass Kinder während der Corona-Isolation durchschnittlich drei bis vier Kilo Körpergewicht zugelegt hätten. Gründe seien exzessives Fernsehen und Computerspielen, Bewegungsmangel sowie ein Übermaß an Junkfood. Für viele werde es nicht einfach, diese Fehlentwicklung wieder zu korrigieren, so die Experten.(Familienbund der Katholiken/Sascha Nicolai/KNA)