Presseschau des Tages // 19.3.2020

· Pressestimmen

 

In der Corona-Krise hat Familienbischof Heiner Koch an die Solidarität mit besonders betroffenen Familien appelliert. „Die augenblicklich notwendigen und sehr sinnvollen, aber auch sehr restriktiven Maßnahmen zur Verlangsamung einer Corona-Pandemie verlangen von uns allen eine große Disziplin und eine noch größere Rücksichtnahme gegenüber unseren Mitmenschen, vor allem gegenüber den in besonderem Maße Schutzbedürftigen“, sagte der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch der Katholischen NachrichtenAgentur (KNA). Ihm lägen besonders Familien am Herzen, die angesichts der Pandemie überfordert seien, sagte der Berliner Erzbischof. Er denke besonders an Alleinerziehende, die, sofern erwerbstätig, die einzigen Verdiener innerhalb einer Familie seien. „Sie stehen angesichts der Schließung der gewohnten Kinderbetreuungseinrichtungen ohne Unterstützung vor der nicht zu bewältigenden Herausforderung, Broterwerb und Kinderbetreuung ’unter einen Hut’ zu bringen.“ Darüber hinaus gebe es Familien, die „gerade eben“ ein monatliches Auskommen hätten. „Sie sind bei einem drohenden reduzierten Lohn schlicht verzweifelt, wie es gelingen kann, als Familie funktionsfähig zu bleiben“, erklärte Koch. Er denke aber auch an Mädchen und Jungen, die keine Zuneigung bekämen. „Sie dürfen nicht noch weiter abgehängt werden.“ Der Erzbischof erinnerte daran, dass für Christen Nächstenliebe und dieSorgeum die Schwächsten und Hilfsbedürftigen einer Gesellschaft nicht aufgegeben werden dürften. Dies bedeute keineswegs nur finanzielle Hilfe: „Zeit und Zuwendung kosten oftmals keinen Cent, sind aber in diesen Tagen, in denen wir alle zusammenstehen müssen, meist wertvoller und nützlicher als jeder Scheck, der manchmal aber auch als Überbrückung weiterhilft.“ Koch erklärte, er hoffe auf ein großes Potenzial an Hilfsbereitschaft in den Pfarrgemeinden - „wohl wissend, dass hinsichtlich einer Infektionsmöglichkeit mit dem Coronavirus besondere Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden müssen“.

 

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet schwere Folgen der Corona-Krise für den Arbeitsmarkt. „Wir gehen davon aus, dass wir vor einer schweren Rezession stehen. Dementsprechend wird das auch für den Arbeitsmarkt eine schwierige Zeit“, sagte der Leiter des Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen am IAB, Enzo Weber, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (Mittwoch). Grundsätzlich funktioniere der Arbeitsmarkt gut, er sei lange Zeit - auch bei konjunkturellen Schwankungen nach unten - robust geblieben. „Diese Robustheit gegenüber solchen Schwankungen hilft auch jetzt, aber die Ausfälle von Wirtschaftstätigkeit in großem Umfang schaffen ganz neue Herausforderungen“, so Weber. Derartige Ausfälle gebe es im regulären Konjunkturgeschehen sonst nicht. Derzeit deute vieles auf einen Anstieg der Arbeitslosigkeit hin, betonte Weber. Es komme jetzt darauf an, wie lange die Corona-Gegenmaßnahmen anhielten. „Wenn die Einschränkungen noch halbwegs im zeitlichen Rahmen bleiben und die Lage wieder zur Normalität zurückkehrt, wird es zwar eine extrem harte Phase, die man aber auch überdauern kann“, sagte der Forscher. Wenn die Einschränkungen jedoch lange andauerten und die Krise auch auf Finanzmärkte übergreife, werde es für den Arbeitsmarkt „extrem heikel“. Das IAB gehe davon aus, dass Maßnahmen wie Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen Schlimmeres abwenden können. „Eine staatliche Lohnfortzahlung wäre eine gute Option für alle, die aus Gründen wie Kinderbetreuung oder Quarantäne nicht mehr arbeiten können“, so der Experte. Dadurch könnten Einkommensausfälle vermieden werden. „Wir brauchen außerdem Liquiditätshilfen für Betriebe und für Selbstständige.“ Betriebe müssten einen möglichst langen Zeitraum für eine Rückzahlung bekommen können. Zudem sollte Kurzarbeit für Minijobber erwogen werden, fügte Weber hinzu. Minijobber hätten eigentlich kein Recht auf Kurzarbeit, weil sie auch nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlten. Es spreche jedoch vieles dafür, das in dieser Situation dennoch zu ermöglichen. (Familienbund der Katholiken/Sascha Nicolai/KNA)