KOMMENTAR | Die Familienpolitik muss sich von ihrem Mehltau befreien

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Das Konrad Adenauer zugeschriebene, recht nonchalante Verdikt „Familien wird es immer geben“ liegt seit Jahren wie Mehltau auf der bundesrepublikanischen Familienpolitik. Sie davon zu befreien, muss Priorität einer jeden künftigen Familienpolitik sein. 

Die Philippika ist von zeitloser Aktualität: Statt vollmundiger politischer Werbefeldzüge verdienen Familien eine engagierte Politik, die sich nicht im kosmetischen Kleinklein verliert. Sie brauchen und erwarten große familienpolitische Würfe. Nicht nur einen! Das gilt umso mehr nach der langen ersten und für alle Familien kräftezehrenden Etappe der Pandemiebekämpfung, der bis heute Augenmaß und Lösungsstrategien für die Anliegen von Familien fehlt. Zu lang ist die familienpolitische Agenda und zu wichtig ihre Themen: die wirkungsvolle Bekämpfung von Kinderarmut, das ungelöste Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Rahmen einer familienfreundlichen Zeitpolitik, die nennenswerte Entlastung von Familien in der Sozialversicherung (Renten-, Pflege- und Krankenversicherung), die Zukunft des Rentensystems, zu dem Familien einen unverzichtbaren Beitrag leisten oder auch die Pflege von Angehörigen durch Eltern in einer Sandwich-Position. Kurz: Das Leben von Familien muss im Politikbetrieb endlich den Stellenwert bekommen, das ihm nach dem Grundgesetz zukommt. Voraussetzung dafür ist ein klares, verfassungsgemäßes Bekenntnis für Familien und eine Politik, die dieses Bekenntnis lebt – Tag für Tag. Darüber hinwegtäuschen kann auch die beste Reklame nicht.

Ulrich Hoffmann
Präsident des Familienbundes der Katholiken